Der Wehrturm der Burg Angern war als zentraler Wehrbau der südlichen Turminsel konzipiert und bildete gemeinsam mit dem gegenüberliegenden Palas auf der Hauptinsel das Rückgrat der hochmittelalterlichen Gesamtanlage. Der vorliegende Befundbericht dokumentiert die erhaltene Substanz des Erdgeschosses, analysiert Materialität, Bauweise und Funktion und berücksichtigt dabei sowohl architektonische als auch archivalische Quellen. Im Fokus stehen das originale Bruchsteinmauerwerk, der bauzeitliche Lichtschlitz sowie der archivalisch belegte Abbruch des Turmoberbaus im Jahr 1735.
Befund F1: Wehrturm – Baukörper, Erschließung und Erdgeschossbefund
Gegenstand und Fragestellung: Befund F1 umfasst den erhaltenen Erdgeschossbereich des rechteckigen Wehrturms der Burg Angern auf der südlichen Turminsel. Der Befund besitzt zentrale Bedeutung für die bauhistorische Interpretation der Gesamtanlage, da sich hier wesentliche Aussagen zu Bauweise, Erschließung, Funktion, Nutzungskontinuität und späterer Überformung des Turmes bündeln. Im Mittelpunkt der Untersuchung stehen die erhaltene Bruchsteinsubstanz, das tonnengewölbte Erdgeschoss, die indirekte Zugangssituation, der bauzeitliche Lichtschacht sowie die Frage nach der ursprünglichen Einbindung des Turmes in das Verteidigungs- und Funktionssystem der Burg.
Einordnung in die Gesamtstruktur der Burganlage: Der Wehrturm befand sich auf der südöstlich gelegenen Turminsel der Burg Angern und bildete dort den baulichen und funktionalen Schwerpunkt. Gemeinsam mit dem gegenüberliegenden Palas auf der Hauptinsel gehörte er zu den dominierenden Hauptbauten der mittelalterlichen Anlage. Beide Baukörper standen offenbar in einer übergeordneten räumlichen Beziehung zueinander und waren durch den zwischen Hauptinsel und Turminsel verlaufenden Wassergraben voneinander getrennt.
Die Turminsel stellte innerhalb der Gesamtanlage einen eigenständigen und besonders geschützten Funktionsbereich dar. Neben dem Wehrturm gehörten hierzu mindestens ein tonnengewölbtes Nebengebäude sowie eine Brunnenanlage. Diese Kombination verweist auf eine funktional differenzierte Teilanlage, die nicht lediglich als isolierter Turmstandort, sondern als eigenständiger Wehr-, Versorgungs- und Rückzugsbereich zu verstehen ist.
Besondere Bedeutung kommt dabei der frühen urkundlichen Überlieferung zu. Mit Theodoricus de Angeren erscheint das Geschlecht bereits 1160 in den Quellen. Im Zusammenhang mit dieser frühen Erwähnung wird die Existenz eines festen Edelhofes in Angern angenommen. Vor diesem Hintergrund erscheint die Turminsel als plausibler Standort eines frühen befestigten Herrschafts- und Adelssitzes.

Baukörper und Mauerstruktur: Der Wehrturm besitzt einen annähernd quadratischen Grundriss von etwa 10 × 10 m. Die Wandstärke im Erdgeschoss beträgt bis zu ca. 2,20 m. Das aufgehende Mauerwerk besteht aus unregelmäßig gesetztem Bruchsteinmauerwerk aus regional verfügbarem Feldsteinmaterial, darunter Granit, Gneis und weitere glaziale Geschiebe. Die Steine sind in kalkgebundenem Mörtel versetzt.
Die massive Wandstärke, die reduzierte Öffnungsstruktur sowie die weitgehend schmucklose Ausführung sprechen für eine primär funktionale und wehrtechnisch bestimmte Bauweise. Dekorative Gliederungen fehlen vollständig. Die Mauerstruktur entspricht damit der für mittelalterliche Wehrbauten der Altmark charakteristischen Feldsteinarchitektur.
Die Turminsel war vermutlich künstlich aufgeschüttet, jedoch nur vergleichsweise flach erhöht. Eine solche geringe künstliche Geländeanhebung entspricht typischen Befunden früher niederungsgebundener Wehr- und Adelssitze Norddeutschlands. Die sumpfige Niederungslandschaft bildete dabei keinen bloßen Standortfaktor, sondern einen wesentlichen Bestandteil des Verteidigungssystems.

Digitale Rekonstruktion des Wehrturms auf der Turminsel um 1340.
Gewölbe und Raumabschluss: Das Erdgeschoss ist vollständig erhalten und wird von einem flach gespannten Tonnengewölbe überdeckt. Hinweise auf eine eindeutig barocke Erneuerung der Gewölbestruktur sind im sichtbaren Bestand nicht erkennbar. Die Ausführung ist schlicht und funktional und diente der massiven Überdeckung eines geschlossenen Sockelraumes.

Gewölbedecke des erhaltenen Erdgeschosses des Wehrturms.
Zugang und Erschließung: Das Erdgeschoss ist ebenerdig begehbar, jedoch nicht unmittelbar von außen erschlossen. Der Zugang erfolgt über eine Türverbindung zu dem südlich angrenzenden tonnengewölbten Nebengebäude, das seinerseits mit dem Innenhof der Turminsel verbunden war. Diese indirekte Erschließung besitzt erhebliche bauhistorische Bedeutung, da sie auf eine kontrollierte Zugangssituation innerhalb eines geschützten Teilbereichs der Burg verweist. Ein direkter Außenzugang zum Turminneren ist nicht nachweisbar.
Ein Zugang von diesem Erdgeschoss zu den ehemals darüberliegenden Turmgeschossen ist ebenfalls nicht nachweisbar. Weder eine innere Treppe noch ein Mauerdurchbruch oder ein Durchstieg im Gewölbe sind erhalten. Dieser Negativbefund spricht dafür, dass die oberen Geschosse ursprünglich nicht vom Erdgeschoss aus erschlossen wurden. Plausibel erscheint daher ein Hocheingang in einem Obergeschoss, wie er für mittelalterliche Wehr- und Wohntürme charakteristisch ist.
Erdgeschossbefund und Raumstruktur: Der Innenraum des Erdgeschosses ist als geschlossener, massiver Funktionsraum ausgebildet. Direkte Außenöffnungen fehlen mit Ausnahme eines schmalen Lichtschachtes in der Nordwand. Die Raumstruktur weist keine Hinweise auf eine primäre Wohnnutzung auf. Der Lichtschacht stellt die einzige bauzeitlich erkennbare Öffnung des Raumes dar. Seine Ausbildung spricht für eine minimale Belichtung und Belüftung des Innenraums und nicht für eine Nutzung als Schießscharte. Das Erdgeschoss ist daher eher als geschützter Lager-, Funktions- oder Rückzugsraum zu interpretieren.
Die Ausbildung des Lichtschachtes spricht dafür, dass dieser konstruktiv mit der erhaltenen Gewölbestruktur verbunden ist. Im Bereich des Schachtanschlusses sind keine eindeutig erkennbaren sekundären Ansätze oder nachträglichen Einfügungen feststellbar. Vielmehr erscheint der Lichtschacht in die Gewölbekonstruktion integriert.
Der Befund kann daher als Hinweis darauf gewertet werden, dass das sichtbare Tonnengewölbe im Kern noch der älteren beziehungsweise ursprünglichen Bauphase des Wehrturms angehört. Eine vollständige barocke Neuerrichtung des Gewölbes erscheint auf Grundlage der sichtbaren Befundsituation eher unwahrscheinlich.
Putz, Feuchteschäden und Nutzungsspuren: Die Wandflächen weisen großflächige Kalkputzreste auf. Der Putz zeigt erhebliche Feuchteschäden, Abplatzungen und Salzbildungen. Diese Befunde verweisen auf eine langfristige Feuchtebelastung, wie sie für ungeheizte massive Sockelräume wasserumwehrter Niederungsburgen typisch ist.
Sekundäre Eingriffe und Bauphasen: Im Innenraum sind mehrere sekundäre Veränderungen erkennbar. Besonders auffällig ist eine Ziegelstruktur im linken Wandbereich, die sich deutlich vom ursprünglichen Bruchsteinverband unterscheidet. Zudem wird der Raum mittig durch eine jüngere, nicht bauzeitliche Wandstruktur unterteilt. Die im linken Wandbereich erkennbare Ziegelstruktur ist vermutlich als sekundär eingefügte Tragwand der barocken Überformungsphase um 1740 zu interpretieren. Hinter dieser Ziegelwand befindet sich möglicherweise die ursprüngliche Außenwand des mittelalterlichen Wehrturms.
Der Befund spricht dafür, dass der Wehrturm im Mittelalter zumindest abschnittsweise freistehend war und erst im Zusammenhang mit den barocken Umbaumaßnahmen stärker in die veränderte Gebäude- und Hofstruktur eingebunden wurde.
Funktionale Bewertung: Das erhaltene Erdgeschoss ist aufgrund seiner geschlossenen Struktur, der indirekten Erschließung, der minimalen Belichtung und des Fehlens aktiver Verteidigungselemente als geschützter Funktions- und Lagerraum zu interpretieren.
Die Funktion des Erdgeschosses ist deutlich von derjenigen der ehemals aufgehenden Geschosse zu unterscheiden. Während diese vermutlich Wohn-, Beobachtungs-, Sicherungs- und Rückzugsfunktionen erfüllten, diente das erhaltene Sockelgeschoss vor allem als geschützter, klimatisch stabiler Funktionsraum innerhalb des Turmkörpers.
Die Kombination aus Wehrturm, tonnengewölbten Nebenräumen, integriertem Brunnen und funktional kontrollierter Erschließung verweist insgesamt auf eine weitgehend eigenständig versorgbare Wehr- und Herrschaftseinheit innerhalb der Turminsel.

Digitale Rekonstruktion des Wehrturms der Burg Angern um 1340.
Bauzeitliche Einordnung: Materialität, massive Feldsteinbauweise, reduzierte Öffnungsstruktur und funktionale Raumorganisation sprechen für eine Entstehung im mittelalterlichen Kontext. Nach gegenwärtiger Befundlage erscheint plausibel, dass der heute sichtbare Wehrturm nicht vollständig erst im Zusammenhang des Ausbaus um 1340 entstand, sondern einen älteren hochmittelalterlichen Kernbestand besitzt (siehe Hypothese eines älteren Wehrkerns). Besonders das massive Erdgeschoss mit seinen tief eingeschnittenen Lichtschächten, der reduzierten Öffnungsstruktur und der funktional eigenständigen Wasser- und Versorgungsarchitektur spricht eher für eine frühe Kernanlage des späten 13. Jahrhunderts.
Der großflächige Ausbau der Hauptburg um 1340 wäre demnach weniger als vollständige Neugründung der Anlage zu verstehen denn als infrastrukturelle Erweiterung und Verdichtung eines bereits bestehenden Wehr- und Adelssitzes.
Archivalische Einordnung und Nutzungskontinuität: Die archivalischen Quellen des 17. und 18. Jahrhunderts belegen, dass der Wehrturm bis in die Frühe Neuzeit als markanter Baukörper bestand und erst 1735 abgebrochen wurde.
„Es war vordem ein großer Turm von 8 Etagen […] Anno 1735 ist der Turm abgebrochen.“
Gutsarchiv Angern, Rep. H Nr. 444
Bereits für die Zeit nach dem Rückerwerb der Anlage durch Heinrich von der Schulenburg um 1680 liegt ein wichtiger Hinweis auf den Erhalt wesentlicher Turmsubstanz vor:
„Der Neubau bestand aus dem zweistöckigen Haupthaus mit einer zweiflügeligen Eingangstür und 15 Fenstern, einem kleineren einstöckigen Nebengebäude und dem dazwischen stehenden Rest des alten Turmes.“
Dorfchronik Angern
Weitere Quellen nennen den „alten Turm“ mit „vielen Zimmern“ bei gleichzeitig fortschreitender Baufälligkeit.
„[…] vier Keller und der alte Turm […] worinne zwar viel Zimmer erbauet, allenthalben aber derselbe … sehr baufällig […]“
Dorfchronik Angern
Ein Inventarverzeichnis von 1735 erwähnt ausdrücklich eine „Turmstube“:
„In der Turmstube ist nur alte Tür mit einem alten Schloß und 2 alten Krampen. In der Stube ist ein eiserner Ofen mit einem Aufsatz von bunten Kacheln. Ferner sind in der Stube 9 Fenster […]“
Gutsarchiv Angern, Rep. H Nr. 409, 1735
Der Quellenbefund verweist eindeutig auf einen nutzbaren und zumindest zeitweise beheizbaren Aufenthaltsraum innerhalb des aufgehenden Turmes.
Die archivalischen Hinweise sprechen insgesamt dafür, dass der Turm auch nach den Zerstörungen des Dreißigjährigen Krieges noch nicht auf das heutige Erhaltungsniveau reduziert war.

Digitale Rekonstruktion des Wehrturm-Stumpfs der Burg Angern mit Turmstube um 1680.
Zusammenfassung: Befund F1 dokumentiert den erhaltenen Erdgeschossbereich des rechteckigen Wehrturms der Burg Angern. Der Befund besitzt hohen bauhistorischen Aussagewert, da sich hier originale mittelalterliche Bausubstanz, funktionale Raumorganisation, Nutzungskontinuität und spätere Überformungen in ungewöhnlicher Dichte erhalten haben.
Die massive Bruchsteinbauweise, das tonnengewölbte Erdgeschoss, die indirekte Erschließung und die minimale Belichtung sprechen für einen geschützten Funktions- und Lagerraum innerhalb einer eigenständig organisierten Turminsel.
Die Kombination aus urkundlicher Überlieferung, autonomer Wasserarchitektur, internem Brunnen, archaischer Wehrarchitektur und funktional eigenständiger Turminsel spricht dafür, dass am Standort Angern bereits vor dem Ausbau des 14. Jahrhunderts ein befestigter Adelssitz bestand.
Der Wehrturm besitzt damit erhebliche bauhistorische Bedeutung, da er möglicherweise den ältesten erhaltenen Kern der gesamten Burganlage repräsentiert.
Befund F2: Aufgehendes Bruchsteinmauerwerk des Wehrturms
Lage und Kontext: Der Befund umfasst die aufgehenden Wandflächen des vollständig erhaltenen Erdgeschosses des rechteckigen Wehrturms auf der Turminsel der Burg Angern. Erfasst wurden Außen- und Innenmauerabschnitte an der Nord-, West- und Ostseite des Turmes mit einer Grundfläche von etwa 10 × 10 m. Die Mauerstruktur ist heute insbesondere in den Keller- und Untergeschossbereichen des barocken Ostflügels sichtbar und zugänglich, in den der mittelalterliche Turmsockel integriert wurde.
Der Wehrturm bildete den baulichen Schwerpunkt der südlichen Turminsel und war Teil einer funktional eigenständigen Teilanlage innerhalb der hochmittelalterlichen Burgstruktur. Das untersuchte Mauerwerk gehört zur ältesten nachweisbaren Bauphase des Turmes und besitzt daher zentrale Bedeutung für die bauhistorische Einordnung der Gesamtanlage. Der ursprüngliche Wehrturm stand zumindest teilweise freistehend an der Grabenkante und wurde erst im Zuge der barocken Schlossumbauten in die neue Hoffassade integriert.
Material und Mauertechnik: Das aufgehende Mauerwerk besteht aus unregelmäßigem Bruchsteinmauerwerk aus regional verfügbarem Feldsteinmaterial, überwiegend Granit, Gneis und weiteren glazialen Geschieben unterschiedlicher Größe. Eine systematische Bearbeitung der Steine oder eine Bossierung ist nicht erkennbar. Die Steine wurden in kalkgebundenem Mörtel versetzt, dessen helle Bindematrix stellenweise sandige Zuschläge aufweist.
Die Verarbeitung erfolgt lagerhaft, jedoch ohne streng horizontale Schichtung. Die Fugenverläufe sind unregelmäßig; kleinere Bruchstücke und Spaltkeile dienten dem Ausgleich von Lagerflächen und Hohlräumen. Trotz der unregelmäßigen Setzung folgt der Verband einer erkennbaren handwerklichen Systematik. Die Bauweise entspricht einer funktional orientierten hochmittelalterlichen Feldsteinarchitektur ohne repräsentative Oberflächenbearbeitung.
Die Mauerstärke beträgt je nach Abschnitt etwa 1,80 bis 2,20 m und entspricht damit den Dimensionen hochmittelalterlicher Wehrbauten vergleichbarer Größe. Die massive Ausführung verweist auf die statische und sicherheitstechnische Funktion des Bauwerks.
Erhaltungszustand und Feuchtebefund: Im Sockelbereich sind deutliche Feuchtespuren sowie partielle Salz- und Ausblühungserscheinungen erkennbar, insbesondere an den grabenseitigen Wandabschnitten. Diese Befunde stehen wahrscheinlich im Zusammenhang mit der langfristigen Wasserbelastung der Niederungsburg sowie mit der Lage des Turmes im Bereich des ehemaligen Grabensystems.
Trotz der Feuchtebelastung sind tiefgreifende strukturelle Schäden oder gravierende Substanzverluste nicht feststellbar. Die statische Integrität des Mauerwerks erscheint insgesamt erhalten. Größere Setzungsrisse oder konstruktive Verwerfungen wurden im sichtbaren Bestand nicht beobachtet.
Bauzeitliche Einordnung: Materialwahl, Mauertechnik und Mörtelstruktur sprechen für eine Entstehung im hochmittelalterlichen Kontext, wahrscheinlich im zweiten Viertel des 14. Jahrhunderts. Diese Datierung stimmt mit der überlieferten Bauzeit der Burg Angern sowie mit den typologischen Merkmalen norddeutscher Niederungsburgen dieser Zeitstellung überein.
Der Befund zeigt innerhalb des erhaltenen Erdgeschosses eine weitgehend homogene Struktur ohne eindeutig erkennbare Baufugen oder differenzierbare Bauabschnitte. Hinweise auf tiefgreifende nachträgliche Aufmauerungen oder substanzielle Umbauten sind im sichtbaren Bereich nicht feststellbar. Kleinere Reparaturen und oberflächliche Veränderungen können jedoch nicht ausgeschlossen werden.
Typologische Einordnung: Die Ausführung entspricht den im norddeutschen Raum verbreiteten Bauweisen hochmittelalterlicher Wehr- und Haupttürme, insbesondere innerhalb wasserumwehrter Niederungsburgen. Charakteristisch sind die massive Wandstärke, die Verwendung unbehauener Feldsteine sowie die funktional reduzierte Bauweise.
Im Unterschied zu süd- und mitteldeutschen Burgen tritt sorgfältig bearbeitetes Quadermauerwerk hier deutlich zurück. Stattdessen dominiert ein funktional orientierter Feldsteinverband, wie er für die Altmark und angrenzende Regionen typisch ist. Vergleichbare Befunde finden sich unter anderem in Tangermünde, Lenzen und Kalbe, wenngleich die konkrete Ausführung regional und baugeschichtlich variiert. Die Kombination aus massiver Wandstärke, reduzierter Öffnungsstruktur und unregelmäßigem Bruchsteinverband spricht für eine primär sicherungs- und verteidigungstechnisch bestimmte Bauweise.
Bauhistorische Bedeutung: Das aufgehende Bruchsteinmauerwerk besitzt aufgrund seines Erhaltungszustands und seiner weitgehenden Geschlossenheit hohen bauhistorischen Aussagewert. Große Teile der mittelalterlichen Originalsubstanz sind im Erdgeschoss erhalten geblieben. Spätere Eingriffe beschränken sich überwiegend auf sekundäre Verfugungen, Putzreste und oberflächliche Veränderungen, welche die bauzeitliche Struktur nicht wesentlich überformen.
Der Befund stellt damit ein aussagekräftiges Beispiel hochmittelalterlicher Feldsteinarchitektur in der Altmark dar und liefert wichtige Hinweise zur regionalen Bauweise wasserumwehrter Wehrtürme des 14. Jahrhunderts.

Nordseite des Wehrturms mit bauzeitlichem Lichtschacht in der Bruchsteinmauer
Befund F3: Lichtschacht in der Nordwand des Wehrturms
Lage und Kontext: Der Befund umfasst eine schmale Öffnung in der Nordwand des erhaltenen Erdgeschosses des rechteckigen Wehrturms auf der Turminsel der Burg Angern. Die Öffnung liegt etwa 2,2 m über dem rekonstruierten mittelalterlichen Außenniveau und öffnet sich nach Norden zur ehemaligen Wasserfläche des Burggrabens. Sie gehört zu einem vollständig geschlossenen, tonnengewölbten Innenraum ohne weitere bauzeitliche Außenöffnungen. Der Lichtschacht stellt die einzige gesicherte bauzeitliche Öffnung des Erdgeschosses dar und besitzt daher besondere Bedeutung für die funktionale Interpretation des Raumes.

Innenansicht und bauliche Ausbildung: Der Schacht ist tief in das massive Bruchsteinmauerwerk eingeschnitten und weist eine konisch nach außen zulaufende Laibung auf. Die Öffnung verjüngt sich deutlich zur Außenseite hin. Die Decke des Schachtes ist flachtonnig gewölbt. Die innere Ausbildung folgt damit einer funktionalen Formgebung, die eine minimale Lichtzufuhr bei gleichzeitiger Reduktion der Außenöffnung ermöglicht.
Die untere Laibung besteht aus einer plan bearbeiteten Steinfläche ohne Durchtritt oder innere Auftrittsfläche. Seitenwände und Gewölbezone sind mit Kalkputz versehen, der deutliche Feuchte- und Alterungsspuren zeigt. Hinweise auf eine tiefgreifende bauliche Überformung oder sekundäre Veränderung der Schachtgeometrie sind im sichtbaren Bestand nicht erkennbar.

Außenansicht: Die Außenöffnung ist schmal, hochrechteckig und in den Bruchsteinverband der Nordwand integriert. Sie liegt oberhalb des heutigen Wasserspiegels des ehemaligen Grabensystems. Der umgebende Mauerverband erscheint weitgehend homogen und zeigt keine eindeutig erkennbaren Hinweise auf nachträgliche Vergrößerungen oder tiefgreifende Veränderungen der Öffnung. Kleinere Ausbesserungen oder oberflächliche Reparaturen können im Detail jedoch nicht ausgeschlossen werden. Insgesamt spricht die Einbindung in den Mauerverband für eine bauzeitliche Zugehörigkeit zur ursprünglichen Turmkonstruktion.

Funktionale Interpretation: Form, Lage und Ausbildung der Öffnung sprechen für eine Nutzung als Licht- und Belüftungsschacht. Charakteristische Merkmale hochmittelalterlicher Schießscharten sind nicht nachweisbar. Insbesondere fehlen:
- ein innerer Durchtritt oder Standbereich,
- eine asymmetrische oder trichterförmige Schartenöffnung zur Waffenführung,
- seitliche Erweiterungen zur Zielausrichtung,
- bauliche Hinweise auf aktive Verteidigungsfunktionen.
Die Öffnung ist daher nicht als Verteidigungselement, sondern als funktionale Belichtungs- und Belüftungslösung zu interpretieren. Sie ermöglichte eine minimale Lichtzufuhr und Luftzirkulation innerhalb eines ansonsten geschlossenen Erdgeschossraumes, ohne die Schutzwirkung der massiven Außenwand wesentlich zu beeinträchtigen. Die Lage in der Nordwand sowie die Orientierung zum Wassergraben hin könnten zusätzlich sicherheitstechnische Vorteile besessen haben, da direkte Angriffe aus dieser Richtung erschwert gewesen sein dürften. Diese Deutung bleibt jedoch hypothetisch.
Vergitterung und Sicherung: Innerhalb der Laibung sind Reste metallischer Einbindungen erkennbar, die als Hinweise auf eine ehemalige Sicherung der Öffnung interpretiert werden können. Besonders plausibel erscheint die Deutung als Rest einer eisernen Vergitterung oder eines eingelassenen Sicherungselements. Eine solche Sicherung wäre funktional nachvollziehbar, da selbst kleinere Öffnungen innerhalb massiver Wehrbauten potenzielle Schwachstellen darstellen konnten. Ob es sich um Gitterstäbe, Verankerungen oder Befestigungselemente eines Verschlusses handelte, lässt sich ohne weiterführende Freilegung und Materialanalyse nicht abschließend bestimmen. Der Befund unterstützt jedoch die Interpretation des Lichtschachtes als gesicherte Öffnung innerhalb eines besonders geschützten Funktionsraumes.

Datierung: Die Einbindung in den Bruchsteinverband, die Ausbildung der Laibung sowie die erhaltene Putzstruktur sprechen für eine bauzeitliche Entstehung im Zusammenhang mit dem Wehrturm im 14. Jahrhundert. Hinweise auf eine sekundäre Öffnung oder eine tiefgreifende spätere Umgestaltung liegen derzeit nicht vor.
Typologische Einordnung: Vergleichbare Licht- und Belüftungsschächte finden sich auch in anderen hochmittelalterlichen Wehr- und Haupttürmen Norddeutschlands. Charakteristisch ist die Kombination aus minimaler Öffnungsgröße, tiefer Mauereinbindung und funktionaler Reduktion. Die Ausbildung des Befundes entspricht damit typologischen Lösungen hochmittelalterlicher Wehrarchitektur wasserumwehrter Niederungsburgen.
Zusammenfassung: Der Lichtschacht in der Nordwand stellt ein wesentliches funktionales Element des erhaltenen Erdgeschosses dar. Seine bauliche Ausbildung spricht eindeutig für eine Nutzung zur minimalen Belichtung und Belüftung eines geschlossenen Funktionsraumes. Hinweise auf eine primäre Wehrfunktion der Öffnung fehlen. Der Befund besitzt hohen bauhistorischen Aussagewert, da er Rückschlüsse auf die ursprüngliche Nutzung des Erdgeschosses, die sicherheitstechnische Konzeption des Wehrturms sowie die funktionale Organisation der Turminsel ermöglicht. Die mögliche ehemalige Vergitterung unterstreicht zusätzlich den geschützten Charakter des Raumes.
Befund F5: Fehlende innere Vertikalerschließung des Turmes (Negativbefund)
Befundlage und Fragestellung
Im erhaltenen Erdgeschoss des turmartigen Hauptbaus der Turminsel ist keine bauliche Vertikalerschließung zu den ehemals darüberliegenden Geschossen nachweisbar. Der vollständig erhaltene tonnengewölbte Raum weist weder eine innere Treppe noch einen Mauerdurchbruch oder Durchstieg auf, der auf eine direkte Verbindung zu höhergelegenen Ebenen schließen ließe. Aus dieser Befundsituation ergibt sich die zentrale bauhistorische Fragestellung nach der ursprünglichen Zugangssituation zu den oberen Turmgeschossen.
Baubefund
- Das Erdgeschoss ist weitgehend vollständig erhalten und umfasst einen etwa 10 × 10 m großen tonnengewölbten Raum.
- Die Wandstärken betragen im Erdgeschoss etwa 2,20–2,50 m.
- Ein baulicher Durchstieg zu höhergelegenen Geschossen ist nicht vorhanden.
- Hinweise auf Mauertreppen, Wendeltreppen oder Treppenschächte fehlen.
- Auch innerhalb des Gewölbes sind keine eindeutig bauzeitlichen Durchbrüche oder verschlossenen Öffnungen nachweisbar.
- Das Mauerwerk erscheint im untersuchten Bereich weitgehend homogen; eindeutige Hinweise auf sekundär verschlossene vertikale Zugänge sind bislang nicht erkennbar.
- Der Zugang zum Erdgeschoss erfolgt über den südlich angrenzenden tonnengewölbten Nebenbau der Turminsel (vgl. Befund G3).
Die Befundsituation stellt damit einen bedeutenden Negativbefund hinsichtlich einer inneren Vertikalerschließung des Turmes dar.
Bauhistorische Beobachtungen
Die massive und vergleichsweise geschlossene Ausbildung der Erdgeschosszone erscheint eher mit einer funktional begrenzten Nutzung vereinbar als mit einer stark frequentierten Hauptzugangssituation. Von besonderer Bedeutung ist in diesem Zusammenhang die erhaltene Verbindung zwischen Nebenbau und Turmerdgeschoss. Der Befund verweist auf einen unmittelbaren funktionalen Zusammenhang beider Baukörper und spricht eher gegen einen vollständig isolierten Turmbau. Die Kombination aus:
- fehlender innerer Vertikalerschließung,
- massiver Gewölbeausbildung,
- erhaltenem Zugang zum Nebenbau,
- sowie der insgesamt stark gegliederten Binnenorganisation der Burganlage
spricht eher für eine indirekte und kontrollierte Zugangssituation. Vor diesem Hintergrund erscheint es grundsätzlich plausibel, dass die eigentliche vertikale Erschließung des Turmes nicht unmittelbar innerhalb des Erdgeschosses, sondern über den angeschlossenen Nebenbau beziehungsweise über höhergelegene Lauf- oder Podestebenen erfolgte.
Die heutige Wahrnehmung mittelalterlicher Wehrtürme wird dabei häufig durch den Verlust der ursprünglichen Holzarchitektur verzerrt. Wehrgänge, Laufebenen, Podeste und Treppenkonstruktionen sind archäologisch vielfach nicht mehr nachweisbar, obwohl sie für die ursprüngliche Nutzung wesentlich gewesen sein dürften.
Typologische Vergleichswerte
Hochmittelalterliche Wehr- und Haupttürme weisen typischerweise erhöhte Zugangsebenen auf. Erdgeschosse dienten häufig Lager-, Schutz- oder Versorgungsfunktionen und waren nicht primär für die reguläre Erschließung vorgesehen. Der Zugang zu höhergelegenen Geschossen erfolgte bei vergleichbaren Anlagen häufig über:
- Hocheingänge im ersten Obergeschoss,
- hölzerne Treppen- oder Leiterkonstruktionen,
- angrenzende Wehrgänge,
- Nebengebäude oder Laufebenen.
Der Bergfried der Burg Beetzendorf besitzt beispielsweise einen hochgelegenen Zugang mehrere Meter über dem Bodenniveau. Vergleichbare Lösungen sind innerhalb hochmittelalterlicher Wehrarchitektur vielfach nachweisbar.
Die fehlende innere Erschließung des Turmerdgeschosses der Burg Angern entspricht damit grundsätzlich bekannten typologischen Lösungen mittelalterlicher Wehrarchitektur.
Interpretation und bauhistorische Bewertung
Die Kombination aus fehlender innerer Vertikalerschließung und archivalisch überlieferter Mehrgeschossigkeit des Turmes macht eine erhöhte Zugangsebene grundsätzlich wahrscheinlich.
Vor dem Hintergrund der erhaltenen Durchgänge zwischen Turm und Nebenbau erscheint insbesondere eine Zugangslösung über den angeschlossenen Nebenbau plausibel. Denkbar erscheint dabei folgendes rekonstruktives Erschließungsszenario:
- Zugang von der Hauptburg auf die Turminsel über eine kurze Holzerschließung,
- Eintritt in den Innenbereich der Turminsel beziehungsweise in den Nebenbau,
- vertikale Erschließung innerhalb des Nebenbaus über hölzerne Treppen-, Leiter- oder Podestkonstruktionen,
- sowie Zugang zu höhergelegenen Ebenen des Turmes.
Dieses Modell würde sowohl die fehlende innere Vertikalerschließung des Erdgeschosses als auch die enge funktionale Verbindung zwischen Nebenbau und Turm erklären. Eine direkte archäologische Nachweisbarkeit dieser Konstruktionen liegt derzeit jedoch nicht vor.
Methodische Einordnung
Der Befund besitzt vor allem deshalb besondere Aussagekraft, weil bestimmte bauliche Elemente fehlen. Das Ausbleiben einer inneren Vertikalerschließung stellt einen zentralen Negativbefund dar, der Rückschlüsse auf die ursprüngliche Zugangskonzeption des Turmes ermöglicht. Die Rekonstruktion einer erhöhten Zugangsebene stützt sich daher wesentlich auf:
- den erhaltenen Baubestand,
- das Fehlen innerer Erschließungselemente,
- die funktionale Beziehung zwischen Nebenbau und Turm,
- typologische Vergleichsdaten hochmittelalterlicher Wehrarchitektur,
- sowie die insgesamt kontrollierte und segmentierte Binnenorganisation der Burganlage.
Zusammenfassung
Für das erhaltene Erdgeschoss des turmartigen Hauptbaus der Turminsel ist keine innere Vertikalerschließung nachweisbar. Der Befund stellt einen bedeutenden bauarchäologischen Negativbefund dar und spricht gegen einen regulären Zugang zu höhergelegenen Geschossen über das Erdgeschoss. Die Kombination aus fehlender innerer Erschließung, massiver Erdgeschosszone sowie der erhaltenen Verbindung zum Nebenbau macht eine indirekte Zugangslösung über den angeschlossenen Nebenbau grundsätzlich plausibel.
Die konkrete Lage, Konstruktion und Ausführung der ursprünglichen Erschließung bleiben jedoch weiterhin hypothetisch und bedürfen weiterführender bauarchäologischer Untersuchungen.
Befund F6: Zugangssystem zwischen Hauptburg, Turminsel und Turm – rekonstruktive Analyse
Ausgangslage und Fragestellung
Die bauarchäologische Untersuchung des Turmes zeigt, dass innerhalb des erhaltenen Erdgeschosses keine innere Vertikalerschließung zu den ehemals darüberliegenden Geschossen nachweisbar ist (vgl. Befund F5). Hieraus ergibt sich die Frage, auf welchem Weg die oberen Turmebenen ursprünglich erschlossen wurden und wie der Turm funktional in die Gesamtstruktur der Turminsel und der Hauptburg eingebunden war.

Digitale Rekonstruktion der Turminsel mit Turm, Nebenbau und möglicher Zugangssituation um 1340
Befundzusammenhang
Der Turm steht in unmittelbarer baulicher Beziehung zu einem südlich angrenzenden tonnengewölbten Nebenbau (vgl. Befund G3). Das Nebengebäude besitzt:
- einen Zugang vom Innenbereich der Turminsel,
- eine Verbindung zum Erdgeschoss des Turmes,
- sowie Hinweise auf weitere interne Erschließungsfunktionen.
Damit ist eine gesicherte horizontale Verbindung zwischen beiden Baukörpern im Sockelbereich nachweisbar. Eine direkte vertikale Erschließung innerhalb des in Teilen noch vorhandenen Nebenbaus konnte archäologisch bislang jedoch nicht festgestellt werden. Aufgrund späterer Überformungen und der weitgehenden Verluste ursprünglicher Holzarchitektur kann ihr ehemaliges Vorhandensein dennoch nicht ausgeschlossen werden.
Rekonstruktiver Ansatz
Unter Berücksichtigung der topographischen Situation, der erhaltenen Wassergräben, der vorhandenen Baubefunde sowie typologischer Vergleichsdaten ergibt sich folgendes mögliches Erschließungsszenario:
- Verbindung zwischen Hauptburg und Turminsel über eine kurze hölzerne Steg-, Podest- oder Wehrgangkonstruktion,
- Zugang zum Innenbereich der Turminsel,
- Eintritt in den Nebenbau im Erdgeschoss,
- vertikale Erschließung innerhalb des Nebenbaus über hölzerne Treppen-, Leiter- oder Podestkonstruktionen,
- sowie Zugang zum Turm über eine erhöhte Zugangsebene.
Dieses Modell stellt eine funktional konsistente Verbindung der vorhandenen Befunde dar und erklärt sowohl die fehlende innere Erschließung des Turmes als auch die enge bauliche Beziehung zwischen Nebenbau und Turm.
Bauliche Hinweise
Zwischen Nebenbau und Turm ist ein überwölbter Durchgang erhalten, der konstruktiv regulär in das Mauerwerk eingebunden erscheint. Die Ausbildung der Laibung sowie die Einbindung in das massive Bruchsteinmauerwerk sprechen für eine funktionale Verbindung beider Räume. Zusätzlich besitzt der Nebenbau eine heute sekundär zugesetzte Türöffnung zum Innenbereich der Turminsel. Beide Öffnungen sprechen zusammen für eine gegliederte Binnenerschließung innerhalb der Turminsel.

Ebenerdiger Durchgang zwischen Nebengebäude und Wehrturm
Im Sockelbereich treten stellenweise Mischmauerwerke aus Bruchstein und Ziegelanteilen (opus mixtum) auf. Diese Befunde deuten auf spätere Überformungen oder Reparaturphasen hin. Eine eindeutige Trennung zwischen ursprünglicher Bauphase und sekundären Eingriffen ist derzeit nicht möglich.

Methodische Bewertung
Die Interpretation stützt sich wesentlich auf die Kombination aus erhaltenem Baubestand und Negativbefunden. Von besonderer Bedeutung sind dabei:
- das Fehlen innerer Vertikalerschließung innerhalb des Turmes,
- die funktionale Beziehung zwischen Turm und Nebenbau,
- die erhaltenen Binnenzugänge,
- die Wassertrennung zwischen Hauptburg und Turminsel,
- sowie typologische Vergleichswerte hochmittelalterlicher Niederungsburgen.
Das hier dargestellte Szenario ist als rekonstruktives Modell zu verstehen. Es verbindet die vorhandenen Befunde funktional miteinander, ersetzt jedoch keinen direkten archäologischen Nachweis. Alternative Lösungen – insbesondere außenliegende Treppen-, Leiter- oder Wehrgangkonstruktionen – bleiben grundsätzlich denkbar.
Funktionale Einordnung
Die enge bauliche Beziehung zwischen Turm und Nebenbau legt nahe, dass beide Baukörper funktional eng miteinander verzahnt waren. Der Turm erscheint damit nicht als vollständig isolierter Einzelbau, sondern als Bestandteil einer komplexeren Nutzungseinheit innerhalb der Turminsel. Die Kombination aus:
- Nebenbau,
- Gewölberäumen,
- Brunnenanlage,
- geschütztem Innenbereich,
- sowie segmentierter Zugangssituation
verweist auf eine eigenständige Teilstruktur der Burganlage, die Schutz-, Wehr-, Versorgungs- und Kontrollfunktionen miteinander verband.
Die Befundlage deutet insgesamt auf eine ungewöhnlich stark gegliederte und kontrollierte Binnenorganisation der Burg Angern hin, bei der Bewegungsabläufe offenbar bewusst indirekt und funktional segmentiert organisiert wurden.
Zusammenfassung
Die ursprüngliche Erschließung der oberen Turmgeschosse ist archäologisch nicht direkt nachweisbar. Der fehlende Zugang innerhalb des Erdgeschosses stellt jedoch einen bedeutenden Negativbefund dar und macht indirekte Zugangslösungen wahrscheinlich. Das hier entwickelte Rekonstruktionsmodell verbindet die vorhandenen Befunde zu einem funktional plausiblen Gesamtbild aus:
- Hauptburg,
- Wassergraben,
- Turminsel,
- Nebenbau,
- sowie erhöhter Turmerschließung.
Eine abschließende Klärung der ursprünglichen Zugangssituation bedarf jedoch weiterführender bauarchäologischer Untersuchungen.