Mittelalterlicher Gewölbebau der Turminsel südlich des Wehrturms der Burg Angern
Der südlich an den Wehrturm anschließende Gewölbebau umfasst einen nördlichen tonnengewölbten Raum sowie einen südlich anschließenden Gewölberaum. Beide Räume stehen baulich miteinander in Verbindung. Der Befund ist für die Baugeschichte der Turminsel besonders relevant, da hier mittelalterliche Baustrukturen, spätere Überformungen und archivalisch belegte Eingriffe des 18. Jahrhunderts zusammentreffen.
Befund G0: Mittelalterlicher Gewölbebau der Turminsel
Befundbeschreibung
Der mittelalterliche Gewölbebau der Turminsel befindet sich unmittelbar südlich des Wehrturms der Burg Angern und gehört zu den bedeutendsten erhaltenen Funktionsbefunden der Gesamtanlage. Die Anlage besteht aus einem nördlichen tonnengewölbten Kernraum sowie einem südlich anschließenden Gewölberaum. Beide Räume stehen baulich miteinander in Verbindung und bilden gemeinsam einen geschlossenen Baukörper innerhalb der Turminsel.
Der nördliche Raum verläuft in Nord-Süd-Richtung und ist unmittelbar mit dem Erdgeschoss des Wehrturms verbunden. Der südliche Raum setzt die Anlage in Ost-West-Richtung fort und besitzt einen integrierten Brunnenschacht sowie eine schmale Fensteröffnung in der Ostwand. Zum Befund gehören darüber hinaus eine direkte Türöffnung zwischen nördlichem Kernraum und Wehrturm, eine heute vermauerte ehemalige Türöffnung zur Turminsel, ein überwölbter Mauerschacht innerhalb der Westwand des nördlichen Raumes sowie ein weiterer vertikaler Schacht mit heutiger Treppennutzung.
Die Anlage dokumentiert damit eine ungewöhnlich komplexe Kombination aus Wehr-, Lager-, Versorgungs- und Erschließungsfunktionen innerhalb eines vergleichsweise kompakten Baukörpers.
Bauanalytische Einordnung
Die bauliche Struktur des Gewölbebaus weist auf unterschiedliche Bau- und Nutzungsphasen innerhalb der Turminsel hin. Besonders der nördliche fensterlose Gewölberaum unterscheidet sich aufgrund seiner außergewöhnlichen Mauerstärke, seiner geschlossenen Raumstruktur sowie seiner direkten Verbindung zum Wehrturm deutlich vom südlichen Gewölberaum.
Die Kombination aus quadratischem Grundriss, massiver Wehrarchitektur, direkter Turmanbindung, fensterloser Raumstruktur, Mauerschacht und vertikaler Erschließung spricht gegen die Interpretation eines einfachen Lager- oder Wirtschaftskellers. Vielmehr deutet die Befundlage darauf hin, dass der nördliche Raum ursprünglich Teil eines eigenständig organisierten Wehr- und Versorgungskerns innerhalb der Turminsel gewesen sein könnte.
Nach gegenwärtiger Befundlage erscheint plausibel, dass der nördliche Gewölberaum ursprünglich den älteren Kernbestand der Anlage bildete, während der südliche Gewölberaum erst später ergänzt wurde. Besonders die funktionale und konstruktive Nähe zwischen Wehrturm und nördlichem Kernraum wirft die Frage auf, ob beide Bereiche ursprünglich Teil einer gemeinsamen älteren Kernstruktur waren.
Der südliche Gewölberaum weist dagegen Hinweise auf spätere Veränderungen auf. Die heute sichtbare Gewölbedecke dürfte im Zusammenhang mit den barocken Umbauten von 1737/38 erneuert und niedriger eingewölbt worden sein. Gleichzeitig sprechen ältere Wandstrukturen und die massive Feldsteinstruktur der Stirnwand dafür, dass auch dieser Raum im Kern bereits vor der barocken Überformung bestand.
Die sumpfige Niederungslandschaft bildete dabei keinen bloßen Standortfaktor der Anlage, sondern war integraler Bestandteil der Wehrarchitektur. Wasserflächen, künstliche Inselbildung, Bruchzonen und kontrollierte Übergänge ersetzten innerhalb der Turminsel die natürliche Höhenwehrhaftigkeit klassischer Höhenburgen.
Die Wehrarchitektur der Turminsel beruhte damit weniger auf großer vertikaler Höhe als auf der gezielten Kontrolle von Wasser, Gelände und Zugangswegen innerhalb der Niederung.
Bauphasen
- 1. Bauphase (spätes 13. Jahrhundert?): Errichtung des nördlichen massiven Kernraums in enger funktionaler Verbindung mit dem Wehrturm.
- 2. Bauphase (um 1340): Erweiterung der Anlage um den südlichen Gewölberaum im Zusammenhang mit dem Ausbau der Hauptburg.
- 3. Bauphase (1737/38): Niedrigere Neueinwölbung des südlichen Gewölberaums.
Funktionale Interpretation
Die Gewölbeanlage war offenbar Teil einer kontrollierten inneren Wehr-, Lager- und Versorgungsstruktur. Die direkte geschützte Verbindung zum Wehrturm ermöglichte Bewegungen innerhalb der Anlage, ohne den Außenbereich betreten zu müssen. Besonders die Kombination aus Brunnen, geschlossenen Gewölberäumen, massiver Wehrarchitektur und interner Erschließung spricht dafür, dass die Turminsel zumindest zeitweise als weitgehend autonome Wehr- und Versorgungseinheit organisiert war.
Der vertikale Schacht innerhalb des nördlichen Kernraums könnte dabei Bestandteil einer funktionalen Erschließungsstruktur gewesen sein und möglicherweise den höher gelegenen Hocheingang des Wehrturms erschlossen haben.
Die Gewölbeanlage erscheint dadurch als integraler Bestandteil einer kontrollierten Wehr-, Rückzugs- und Versorgungsarchitektur innerhalb der Turminsel.
Bewertung
Der Gewölbebau der Turminsel stellt einen außergewöhnlich dichten und aussagekräftigen Befund mittelalterlicher Wehr- und Versorgungsarchitektur dar. Besonders bemerkenswert ist die Kombination aus massiver Kernarchitektur, direkter Turmanbindung, integrierter Wasserversorgung, kontrollierter innerer Erschließung sowie den technischen Schachtanlagen innerhalb des nördlichen Kernraums.
Die Kombination aus urkundlicher Überlieferung, autonomer Wasserarchitektur, integrierter Wasserversorgung, außergewöhnlicher Mauerstärke und archaischer Wehrarchitektur verleiht der Hypothese eines älteren befestigten Wehr- und Adelssitzes innerhalb der Turminsel erhebliche bauhistorische Plausibilität.
Befund G1: Nördlicher Kernraum der Turminsel
Befundbeschreibung
Der nördliche tonnengewölbte Raum bildet den konstruktiv und funktional bedeutendsten Teil des mittelalterlichen Gewölbebaus auf der Turminsel der Burg Angern. Der Raum verläuft in Ost-West-Richtung und ist unmittelbar mit dem Erdgeschoss des Wehrturms verbunden.
Der Raum besitzt eine annähernd quadratische Innenfläche von etwa 5 × 5 m bei einer heutigen lichten Höhe von rund 2,60 m. Die Außenmaße des Baukörpers betragen nach gegenwärtigem Befundstand etwa 10 × 10 m und entsprechen damit annähernd der Grundfläche des benachbarten Wehrturms. Aus dem Verhältnis von Innen- und Außenmaß ergibt sich eine außergewöhnliche Wandstärke von etwa 2,50 m je Wandseite. Damit erreicht die Mauerstärke des nördlichen Gewölberaums nahezu die Dimensionen des Wehrturms selbst.
Der Raum besitzt keine regulären Fensteröffnungen und weist insgesamt eine stark geschlossene, massive Raumstruktur auf. Die Gewölbeform ist schlicht und funktional ausgeführt. Hinweise auf repräsentative Ausgestaltung fehlen vollständig.
Zum Befund gehören mehrere funktional bedeutende Bauelemente:
- eine direkte Türöffnung zum Erdgeschoss des Wehrturms (vgl. Befund G2),
- eine heute vermauerte ehemalige Türöffnung zum Innenhof der Turminsel (vgl. Befund G3),
- ein überwölbter Mauerschacht innerhalb der Westwand (vgl. Befund G4),
- sowie ein weiterer vertikaler Schacht mit heutiger barocker Treppennutzung.
Der vertikale Schacht befindet sich unmittelbar gegenüber der Türöffnung zum Wehrturm. Der Schacht ist heute nach oben geöffnet und wird seit der barocken Überformung als Treppenerschließung zum ersten Obergeschoss genutzt.

Nördlicher tonnengewölbter Kernraum der Turminsel mit vertikalem Schacht.
Bauanalytische Einordnung
Die Kombination aus quadratischem Grundriss, außergewöhnlicher Mauerstärke, fensterloser Raumstruktur und direkter Verbindung zum Wehrturm unterscheidet den nördlichen Kernraum deutlich von gewöhnlichen Lager- oder Wirtschaftskellern vergleichbarer Wasserburgen. Besonders die annähernd identischen Außenmaße und vergleichbaren Wandstärken von Wehrturm und Kernraum sprechen für eine enge konstruktive und funktionale Beziehung beider Baukörper.
Die massive Bauweise verweist auf erhebliche statische und sicherheitsrelevante Anforderungen. Die Ausbildung der Wände entspricht hochmittelalterlicher Wehrarchitektur. Auch die geschlossene Raumstruktur besitzt erhebliche bauhistorische Aussagekraft. Der weitgehende Verzicht auf reguläre Fensteröffnungen spricht für eine kontrollierte Nutzung innerhalb eines geschützten Wehr- und Versorgungssystems.
Der überwölbte Mauerschacht innerhalb der Westwand verweist zusätzlich auf eine technisch organisierte Infrastruktur innerhalb des Baukörpers. Die funktionale Ausbildung des Schachtes entspricht Lösungen mittelalterlicher Wehr- und Lagerarchitektur.
Zusätzliche bauhistorische Bedeutung besitzt der vertikale Schacht innerhalb des Raumes. Nach gegenwärtiger Befundlage erscheint plausibel, dass der Schacht selbst älter ist als die heutige barocke Treppennutzung und ursprünglich Bestandteil einer funktionalen vertikalen Erschließungsstruktur innerhalb des mittelalterlichen Wehr- und Versorgungssystems war. Möglicherweise erschloss der Schacht ursprünglich mittels einer hölzernen Leiter oder Treppenkonstruktion den höher gelegenen Hocheingang des Wehrturms.
Nach gegenwärtiger Befundlage erscheint plausibel, dass in der ursprünglichen mittelalterlichen Bauphase zunächst lediglich der nördliche massive Kernraum bestand und der südliche Gewölberaum erst später ergänzt beziehungsweise erweitert wurde. Die außergewöhnliche Mauerstärke, die fensterlose Raumstruktur sowie die funktionale Vertikalerschließung werfen die Frage auf, ob der nördliche Gewölberaum ursprünglich zusammen mit dem Wehrturm Teil eines eigenständigen massiv geschützten Kernbaus innerhalb der Turminsel war. Besonders die enge konstruktive und funktionale Verbindung zwischen Wehrturm und nördlichem Kernraum spricht dafür, dass beide Bereiche ursprünglich Teil einer gemeinsamen älteren Kernstruktur gewesen sein könnten (siehe Hypothese eines älteren Wehrkerns).
Datierung
Eine exakte Datierung des nördlichen Kernraums ist anhand des sichtbaren Befundes allein nicht möglich. Aufgrund der massiven Feldsteinbauweise, der reduzierten Öffnungsstruktur, der außergewöhnlichen Mauerstärke sowie der engen Verbindung zum Wehrturm erscheint jedoch eine mittelalterliche Entstehung plausibel. Nach gegenwärtigem Kenntnisstand erscheint eine Einordnung in das späte 13. Jahrhundert oder spätestens in das frühe 14. Jahrhundert wahrscheinlich. Der Kernraum könnte damit zeitgleich oder nur geringfügig später als der steinerne Kern des Wehrturms entstanden sein.
Funktionale Interpretation
Die Kombination aus massiver Wehrarchitektur, geschlossener Raumstruktur, direkter Turmanbindung, Mauerschacht und Vertikalerschließung verweist auf einen kontrollierten Wehr-, Lager- und Versorgungsraum innerhalb der Turminsel. Der Raum dürfte ursprünglich nicht lediglich Lagerfunktionen erfüllt haben, sondern vielmehr als zentraler Wehr-, Kontroll- und Versorgungsraum innerhalb der Turminsel gedient haben. Die direkte Verbindung zum Wehrturm ermöglichte eine geschützte innere Erschließung innerhalb des Baukörpers. Bewegungen innerhalb der Turminsel konnten dadurch erfolgen, ohne den Außenbereich betreten zu müssen.
Die Kombination aus vertikaler Erschließung, direkter Turmanbindung und möglichem Hocheingang spricht dafür, dass der Raum integraler Bestandteil einer funktional organisierten Wehr- und Rückzugsarchitektur war. Im Zusammenhang mit Brunnen, Mauerschacht und kontrollierter Zugangssituation erscheint der Kernraum als Bestandteil eines weitgehend autonomen Wehr- und Versorgungssystems innerhalb der Turminsel.
Bewertung
Der nördliche Kernraum gehört wahrscheinlich zu den ältesten erhaltenen Funktionsräumen der Gesamtanlage der Burg Angern. Die Kombination aus außergewöhnlicher Mauerstärke, direkter Turmanbindung, vertikaler Erschließungsstruktur, Mauerschacht und geschlossener Raumorganisation besitzt erhebliche bauhistorische Aussagekraft. Der Befund spricht dafür, dass der Raum integraler Bestandteil eines älteren Wehr- und Versorgungskerns innerhalb der Turminsel war. Die enge Verbindung zwischen Wehrturm und Kernraum verleiht der Hypothese eines älteren befestigten Wehr- und Adelssitzes innerhalb der Turminsel erhebliche bauhistorische Plausibilität.
Befund G2: Türöffnung zwischen Kernraum und Wehrturm
Befundbeschreibung
In der Nordwand des nördlichen Kernraums befindet sich eine Türöffnung, die einen direkten Zugang zum Erdgeschoss des Wehrturms ermöglicht. Die Öffnung verbindet beide Baukörper unmittelbar miteinander und stellt die zentrale innere Verbindung zwischen Kernraum und Wehrturm dar. Die Türöffnung liegt im unteren Wandbereich des Turmes und ist vollständig in den massiven Mauerwerksverband integriert. Die Verbindung erfolgt innerhalb der geschlossenen Turminselstruktur und unabhängig vom äußeren Zugangssystem.

Durchgang zwischen nördlichem Kernraum und Erdgeschoss des Wehrturms.
Bauanalytische Einordnung
Die Türöffnung erscheint konstruktiv integraler Bestandteil der ursprünglichen Bauplanung. Hinweise auf eine sekundäre Durchbrechung oder nachträgliche Einfügung sind im sichtbaren Bestand nicht erkennbar. Besonders die direkte funktionale Verbindung zwischen dem fensterlosen Kernraum und dem Wehrturm besitzt erhebliche bauhistorische Aussagekraft. Die Öffnung verweist auf eine enge organisatorische und funktionale Verbindung beider Baukörper innerhalb der Turminsel. Die Türöffnung steht zudem in unmittelbarem Zusammenhang mit weiteren funktionalen Elementen des Kernraums, insbesondere dem überwölbten Mauerschacht, dem vertikalen Erschließungsschacht sowie der vermauerten ehemaligen Hoföffnung.
Die Kombination dieser Befunde spricht dafür, dass der nördliche Kernraum nicht als einfacher Lagerraum, sondern als integraler Bestandteil einer kontrollierten Wehr- und Versorgungsarchitektur organisiert war.
Funktionale Interpretation
Die Türöffnung ermöglichte eine geschützte interne Verbindung zwischen Kernraum und Wehrturm. Bewegungen innerhalb der Turminsel konnten dadurch erfolgen, ohne den Außenbereich betreten zu müssen. Die direkte innere Verbindung spricht für eine sicherheitsorientierte Erschließungsstruktur innerhalb der Turminsel. Besonders im Zusammenhang mit der autonomen Wasserversorgung, den Schachtanlagen und der möglichen vertikalen Erschließung des Wehrturms erscheint die Anlage als funktional organisierter Wehr-, Rückzugs- und Versorgungskern. Möglicherweise diente der Kernraum dabei als vorgelagerter Kontroll-, Lager- oder Versorgungsraum des Wehrturms.
Bewertung
Die Türöffnung dokumentiert eine unmittelbare funktionale Verbindung zwischen nördlichem Kernraum und Wehrturm und stellt einen zentralen Befund zur inneren Organisation der Turminsel dar. Die enge konstruktive und funktionale Beziehung zwischen beiden Baukörpern stärkt zugleich die Annahme, dass Kernraum und Wehrturm ursprünglich Teil eines gemeinsam organisierten Wehr- und Versorgungssystems waren.
Befund G3: Vermauerte Türöffnung
Befundbeschreibung
In der Westwand des nördlichen Kernraums befindet sich eine heute vollständig vermauerte ehemalige Türöffnung. Die Öffnung liegt im unteren Wandbereich und war ursprünglich ebenerdig angelegt. Die ursprüngliche Öffnung ist anhand des abweichenden Mauerverbandes, der sekundären Vermauerung sowie der erkennbaren Unterbrechung des ursprünglichen Wandgefüges weiterhin nachvollziehbar.

Zugemauerte Verbindung zwischen nördlichem Kernraum und Außenbereich der Turminsel.
Bauanalytische Einordnung
Der ehemalige Durchgang verband den nördlichen Kernraum möglicherweise unmittelbar mit dem Innenhof beziehungsweise dem Außenbereich der Turminsel. Die vermauerte Türöffnung dokumentiert, dass der nördliche Kernraum ursprünglich nicht ausschließlich intern über den Wehrturm erschlossen wurde, sondern zusätzlich eine direkte Verbindung zum Außenbereich der Turminsel besaß. Die Kombination aus externer Hoferschließung und interner Verbindung zum Wehrturm verweist auf eine funktional differenzierte Wegeführung innerhalb der Turminsel.
Die spätere Vermauerung steht wahrscheinlich im Zusammenhang mit den barocken Geländeaufschüttungen und Niveauveränderungen des 18. Jahrhunderts. Besonders die Veränderungen des Hofniveaus im Zusammenhang mit den Umbauten von 1737/38 dürften zur Aufgabe der ursprünglichen Zugangssituation geführt haben.
Der Befund zeigt zugleich, dass der nördliche Kernraum ursprünglich stärker in die Wege- und Funktionsstruktur der mittelalterlichen Turminsel eingebunden war als heute nachvollziehbar.
Funktionale Interpretation
Die ehemalige Türöffnung ermöglichte eine direkte Erschließung des nördlichen Kernraums vom Innenhof der Turminsel aus. Die Kombination aus äußerer Hoferschließung und innerer Turmverbindung spricht dafür, dass der Raum sowohl Lager-, Kontroll- und Versorgungsfunktionen als auch Aufgaben innerhalb der inneren Wehrorganisation erfüllte.
Die direkte Verbindung zum Außenbereich hätte dabei Materialtransport, Versorgung und Zugang zum Kernraum ermöglicht, während die innere Türverbindung zugleich eine geschützte Verbindung zum Wehrturm sicherstellte. Die Vermauerung der Öffnung dokumentiert eine spätere Veränderung der ursprünglichen Funktions- und Erschließungsstruktur innerhalb der Turminsel.
Bewertung
Die vermauerte Türöffnung stellt einen wichtigen Befund zur Rekonstruktion der ursprünglichen Wege- und Erschließungsstruktur innerhalb der Turminsel dar. Besonders die Kombination aus externer Hoferschließung und direkter Turmanbindung spricht dafür, dass der nördliche Kernraum funktional eng in das Wehr-, Lager- und Versorgungssystem der Turminsel eingebunden war.
Der Befund stärkt zugleich die Annahme, dass der nördliche Kernraum ursprünglich eine deutlich zentralere Funktion innerhalb der mittelalterlichen Turminsel besaß als ein gewöhnliches Nebengebäude oder einfacher Lagerraum.
Befund G4: Überwölbter Mauerschacht im nördlichen Kernraum
Befundbeschreibung
In der Westwand des nördlichen tonnengewölbten Kernraums befindet sich ein schmaler überwölbter Mauerschacht, der steil innerhalb des Mauerwerks nach oben führt. Die Öffnung besitzt im unteren Bereich eine Breite von etwa 70 cm und verjüngt sich innerhalb des aufsteigenden Schachtes deutlich auf etwa 30 cm. Der Schacht ist vollständig in das massive Mauerwerk integriert und besitzt eine gedrückte überwölbte Ausbildung. Die Seitenwände bestehen aus Bruch- und Feldsteinmauerwerk mit kalkgebundenem Mörtel.
Der nördliche Kernraum selbst besitzt keine regulären Fensteröffnungen. Neben dem Mauerschacht verfügt der Raum lediglich über eine direkte Türverbindung zum Wehrturm sowie eine heute vermauerte ehemalige Türöffnung zur Turminsel.

Überwölbter Mauerschacht innerhalb der Westwand des nördlichen Kernraums.
Bauanalytische Einordnung
Der Mauerschacht erscheint konstruktiv integraler Bestandteil des aufgehenden Mauerwerks und wurde offenbar nicht sekundär in die Wand eingeschnitten. Die massive Mauereinbindung, die gedrückte Überwölbung sowie die funktionale Verjüngung nach oben entsprechen technischen Lösungen mittelalterlicher Wehr- und Lagerarchitektur. Die geringe Breite sowie die steil aufsteigende Führung schließen eine Nutzung als regulärer Durchgang praktisch aus. Die Ausbildung entspricht vielmehr technischen Funktionsschächten innerhalb massiver Wehr- oder Wirtschaftsbauten.
Besonders bemerkenswert ist die funktional-technische und nicht repräsentative Ausführung des Befundes. Hinweise auf dekorative Gestaltung oder spätere technische Modernisierung fehlen weitgehend. Die Einbindung des Schachtes in einen fensterlosen tonnengewölbten Raum besitzt erhebliche bauhistorische Aussagekraft. Die fehlenden regulären Licht- und Lüftungsöffnungen sprechen dafür, dass Belichtung, Luftaustausch und Klimaregulierung konstruktiv anders organisiert werden mussten als innerhalb repräsentativer Wohnbereiche.
Die Kombination aus Mauerschacht, massiver Mauerstruktur, direkter Turmanbindung und vertikaler Erschließung spricht dafür, dass der nördliche Kernraum funktional eng mit dem Wehrturm verbunden war.
Datierung
Die konstruktive Ausbildung des Mauerschachtes spricht eher für eine hochmittelalterliche beziehungsweise früh entstandene Bauphase. Besonders die massive Mauereinbindung, die gedrückte Überwölbung sowie die technisch-funktionale Ausführung entsprechen typischen Merkmalen mittelalterlicher Wehr- und Wirtschaftsbauten des späten 13. und frühen 14. Jahrhunderts. Die archaisch wirkende Konstruktion passt damit gut zur Hypothese eines älteren Wehrkerns innerhalb der Turminsel.
Funktionale Interpretation
Die ursprüngliche Funktion des Mauerschachtes ist gegenwärtig nicht eindeutig bestimmbar. Aufgrund der Form, Lage und konstruktiven Ausbildung erscheint jedoch eine Nutzung als funktionaler Luft-, Klima- oder Versorgungsschacht plausibel. Möglicherweise diente der Schacht:
- der kontrollierten Luftzirkulation innerhalb des Kernraums,
- der Ableitung von Feuchtigkeit und Kondensationsluft,
- oder als kombinierte Licht- und Luftöffnung innerhalb der massiven Außenwand.
Besonders plausibel erscheint eine Nutzung als kombinierter Luft- und Klimaschacht innerhalb eines stark abgeschirmten Wehr- oder Lagerraumes. Die Kombination aus fensterlosem Kernraum, schmalem Mauerschacht, direkter Turmanbindung und kontrollierter Zugangssituation spricht für eine bewusst organisierte technische Infrastruktur innerhalb des Wehr- und Versorgungssystems der Turminsel.
Bewertung
Der Mauerschacht stellt einen bauhistorisch bemerkenswerten technischen Befund innerhalb des nördlichen Kernraums dar. Die Kombination aus schmaler überwölbter Ausbildung, massiver Mauereinbindung und funktionaler Schachtführung deutet auf eine gezielte technische Lösung innerhalb einer mittelalterlichen Wehr- und Versorgungsarchitektur hin.
Der Befund stärkt zugleich die Annahme, dass der nördliche Kernraum ursprünglich Teil eines älteren Wehr- und Versorgungskerns innerhalb der Turminsel war.
Befund G5: Brunnenschacht im südlichen Gewölberaum
Befundbeschreibung
Im südlichen tonnengewölbten Raum der Turminsel befindet sich ein vertikal geführter Brunnenschacht. Der Brunnen ist bis in die Gegenwart funktionstüchtig und stellt eine direkte Wasserquelle innerhalb des Baukörpers dar. Der Brunnenschacht ist in die östliche Stirnwand des südlichen Gewölberaums integriert und vollständig innerhalb der geschlossenen Gewölbestruktur angeordnet. Die Wasserversorgung war dadurch unabhängig von äußeren Zugängen innerhalb der Turminsel nutzbar.
Bauanalytische Einordnung
Die Integration des Brunnens in einen geschlossenen Gewölberaum besitzt erhebliche bauhistorische Aussagekraft. Die Wasserversorgung wurde damit unmittelbar in die bauliche Struktur der Turminsel eingebunden. Der Befund zeigt zugleich, dass die Gewölbeanlage nicht lediglich Lager- oder Wirtschaftsfunktionen erfüllte, sondern Teil einer infrastrukturell organisierten Wehr- und Versorgungseinheit war.
Die Lage des Brunnens innerhalb eines überwölbten Innenraumes spricht dafür, dass die Wasserversorgung bewusst geschützt und kontrolliert organisiert wurde. Besonders im Zusammenhang mit dem benachbarten Wehrturm, der direkten inneren Erschließung sowie den massiven Gewölbestrukturen verweist der Brunnen auf eine weitgehend autonome Versorgungsstruktur innerhalb der Turminsel.
Archivalischer Kontext
„[…] in dem Memoire von Ew. Exz. finde, daß solcher in Form eines Türmchens gemacht werden soll, es sagen auch alle, daß solcher durabler, alleine weilen einer mit einer Schucke zierlicher auf dem Hof stehet […]“
(Gutsarchiv Angern, Rep. H Nr. 336, Nr. 19, 5. Oktober 1738)
Die Quelle dokumentiert Überlegungen zur Gestaltung des Brunnens im Zusammenhang mit den barocken Umbauten des 18. Jahrhunderts und bestätigt zugleich die fortdauernde Nutzung und Bedeutung der Wasserversorgung innerhalb der Turminsel.
Funktionale Interpretation
Der Brunnenschacht diente der kontrollierten Wasserversorgung innerhalb der Turminsel. Die geschützte Lage innerhalb des Gewölberaums spricht dafür, dass der Brunnen nicht lediglich der allgemeinen Versorgung diente, sondern Teil einer bewusst gesicherten Infrastruktur innerhalb des Wehr- und Versorgungssystems war. Im Verteidigungsfall wäre dadurch eine autonome Wasserversorgung auch bei unterbrochener Verbindung zur Hauptburg gewährleistet gewesen.
Die Kombination aus Brunnen, massiven Gewölberäumen, direkter Turmanbindung und kontrollierter innerer Erschließung spricht dafür, dass die Turminsel zumindest zeitweise als weitgehend eigenständige Wehr- und Versorgungseinheit organisiert war.
Bewertung
Der Brunnenschacht stellt einen Schlüsselbefund zur funktionalen Interpretation der Turminsel dar. Besonders die geschützte Integration der Wasserversorgung in die Gewölbestruktur besitzt erhebliche bauhistorische Aussagekraft und verweist auf eine kontrollierte Wehr- und Versorgungsarchitektur innerhalb der Turminsel. Der Befund stärkt zugleich die Annahme, dass die Turminsel ursprünglich einen eigenständig organisierten Wehr- und Versorgungskern innerhalb der Burganlage bildete.
Befund G6: Südlicher Gewölberaum der Turminsel
Befundbeschreibung
Der südliche Gewölberaum schließt unmittelbar an den nördlichen Kernraum der Turminsel an und setzt die Anlage in Nord-Süd-Richtung fort. Der Raum besitzt eine Länge von etwa 6,66 m, eine Breite von etwa 2,90 m sowie eine heutige lichte Höhe von rund 2,66 m. Innerhalb des südlichen Gewölberaums befindet sich der integrierte Brunnenschacht. In der Ostwand ist zusätzlich eine schmale Fensteröffnung mit trichterförmiger Laibung erhalten.
Die Gewölbekammer weist deutliche Hinweise auf spätere bauliche Veränderungen auf. Besonders die heute sichtbare Gewölbedecke erscheint konstruktiv von den aufgehenden Wandstrukturen unterscheidbar.

Südlicher Gewölberaum der Turminsel mit Fensteröffnung in der Ostwand.
Bauanalytische Einordnung
Der südliche Gewölberaum unterscheidet sich konstruktiv und funktional deutlich vom nördlichen Kernraum.
Während der nördliche Raum durch außergewöhnliche Mauerstärken, fensterlose Struktur und direkte Turmanbindung geprägt ist, weist der südliche Raum eine stärker versorgungsorientierte Raumstruktur mit Brunnen und funktionaler Fensteröffnung auf.
Besonders die heute sichtbare Gewölbedecke dürfte im Zusammenhang mit den barocken Umgestaltungen von 1737/38 erneuert und niedriger eingewölbt worden sein.
„[…] da der Maurermeister das Haus 1 Fuß 4 1/2 Zoll tiefer gebauet […] der Hof vor dem Haus verniedriget werden muß, wodurch das Turmgewölbe nebst dem dabei stehenden Keller eingebrochen und verschüttet werden muß […]“
(Gutsarchiv Angern, Rep. H Nr. 336, Nr. 1, Bericht vom 16. September 1737)
„[…] die Gewölbe können konserviert werden, […] daß man die Decke […] ganz wieder neu schlüge und solche niedriger mache […]“
(Gutsarchiv Angern, Rep. H Nr. 336, Nr. 4, 18. November 1737)
Die Quellen belegen eindeutig, dass die Gewölbeanlage bereits vor den barocken Umbauten bestand und lediglich teilweise verändert beziehungsweise neu eingewölbt wurde. Nach gegenwärtiger Befundlage betrifft die barocke Überformung wahrscheinlich vor allem die Gewölbedecke und das Höhenniveau des Raumes, während wesentliche Teile der aufgehenden Wandstruktur älterer mittelalterlicher Substanz angehören dürften. Besonders die massive Feldsteinstruktur der Stirnwand spricht dafür, dass der Raum im Kern bereits vor der barocken Überformung bestand und lediglich die Gewölbedecke niedriger neu eingewölbt wurde.
Der bis heute erhaltene Niveauversatz zwischen nördlichem Kernraum und südlichem Gewölberaum ist als direktes Resultat dieser Umgestaltung zu interpretieren.
Fensteröffnung
In der Ostwand des südlichen Gewölberaums befindet sich eine schmale trichterförmige Fensteröffnung mit tiefer Laibung. Die Öffnung ist tief in das massive Mauerwerk eingeschnitten und wird von einem flach gewölbten Abschluss überspannt. Die trichterförmige Ausbildung der Laibung entspricht funktionalen Öffnungen mittelalterlicher Gewölberäume und ermöglichte eine minimale Belichtung bei gleichzeitig geringer Schwächung der massiven Außenwand. Der sichtbare Putz innerhalb der Laibung gehört wahrscheinlich einer späteren Überarbeitung an. Die ursprüngliche Öffnungsform bleibt jedoch weiterhin erkennbar.
Datierung
Nach gegenwärtiger Befundlage erscheint plausibel, dass der südliche Gewölberaum im Kern bereits einer mittelalterlichen Bauphase angehörte und wahrscheinlich im Zusammenhang mit dem hochmittelalterlichen Ausbau der Burg um 1340 entstand. Die heute sichtbare Gewölbedecke gehört dagegen wahrscheinlich einer barocken Wiederherstellungsphase nach 1737/38 an. Der Raum dokumentiert damit sowohl mittelalterliche Kernsubstanz als auch frühneuzeitliche Überformungsprozesse innerhalb der Turminsel.
Funktionale Interpretation
Die Kombination aus Gewölberaum, Brunnenschacht und funktionaler Fensteröffnung verweist auf einen primär versorgungsorientierten Raum innerhalb der Turminsel. Der Raum dürfte vor allem Lager-, Vorrats- und Versorgungsfunktionen erfüllt haben. Die direkte Integration der Wasserversorgung spricht zugleich für eine kontrollierte Infrastruktur innerhalb des Wehr- und Versorgungssystems.Die Orientierung der Fensteröffnung zum ehemaligen Grabenbereich verstärkt den funktionalen Charakter der Raumstruktur.
Bewertung
Der südliche Gewölberaum stellt einen außergewöhnlich aussagekräftigen Befund zur Versorgungsarchitektur der Turminsel dar. Besonders bemerkenswert ist die Kombination aus mittelalterlicher Kernsubstanz, integrierter Wasserversorgung, funktionaler Fensteröffnung und archivalisch eindeutig belegter barocker Überformung. Der Raum ergänzt das Bild eines funktional organisierten Wehr-, Lager- und Versorgungssystems innerhalb der mittelalterlichen Turminsel.