Die Hauptburg von Angern war als annähernd quadratische Inselanlage mit umlaufendem Wassergraben konzipiert. Der Mauerfuß bestand aus einem massiven Bruchsteinsockel, auf dem eine Wehrmauer errichtet war, deren ursprüngliche Höhe auf Grundlage vergleichbarer Anlagen und baulicher Hinweise auf bis zu etwa 8 Meter geschätzt werden kann.
Der östlich gelegene Palas war konstruktiv in die Ringmauer integriert und übernahm in diesem Bereich zugleich deren Funktion. Im Erdgeschoss sind bauzeitliche Tonnengewölbe erhalten, die auf eine kombinierte Nutzung als Wirtschafts- und Funktionsbereich hinweisen.
In Verbindung mit dem Wehrturm auf der separaten Turminsel bildete die Hauptburg ein gestaffeltes Verteidigungssystem, das für hochmittelalterliche Wasserburgen im norddeutschen Raum charakteristisch ist.
Die Ringmauer der Hauptburg Angern um 1350: Struktur, Zugangssysteme und Wehrarchitektur im Kontext hochmittelalterlicher Niederungsburgen. Die Hauptburg der Wasserburg Angern, vermutlich im zweiten Viertel des 14. Jahrhunderts errichtet, war Teil eines typischen Verteidigungssystems niederungsgeprägter Burgen der norddeutschen Tiefebene. Die Kombination aus Wassergraben, Ringmauer, Palas, separater Turminsel und kontrollierten Übergängen zeigt ein funktional differenziertes Wehrkonzept, das weniger auf monumentale Wehrarchitektur als auf topographische Einbindung, Wasserführung und gestufte Zugangskontrolle ausgerichtet war.
Der Zwischenraum zwischen Palasgewölbe und Ringmauer in der Burg Angern – Bauarchäologische Analyse und funktionale Deutung
Im Bereich der Hauptburg der Burg Angern ist zwischen dem nördlichsten erhaltenen Tonnengewölbe des Palas und der nördlichen Ringmauer ein etwa 4 Meter breiter Zwischenraum nachweisbar. Dieser Bereich ist weder unterkellert noch überwölbt und stellt damit eine strukturelle Besonderheit innerhalb der Anlage dar.
Die Rekonstruktion des Zugangs zur Hauptburg der Burg Angern berührt zentrale Aspekte der hochmittelalterlichen Wehrarchitektur, der inneren Funktionslogik sowie der topographischen Organisation wasserumwehrter Niederungsburgen. Obwohl die mittelalterliche Zugangssituation durch spätere Umbauten des 18. und 19. Jahrhunderts weitgehend überformt wurde, erlaubt die Kombination aus topographischer Analyse, baulichen Negativbefunden, funktionaler Plausibilität sowie typologischen Vergleichswerten eine vergleichsweise differenzierte Annäherung an die ursprüngliche Erschließungsstruktur der Hauptburg um 1340.

Digitale Rekonstruktion der Brückenverbindung zwischen Hauptinsel und Turminsel