Der Herrensalon grenzt direkt an den Gartensaal und bietet Zugang zum ehemaligen Dienstzimmer sowie zum angrenzenden Kabinett. Der Begriff Herrensalon bezeichnet traditionell einen Raum in Schlössern oder Herrenhäusern, der speziell für die männlichen Hausherren und ihre Gäste vorgesehen war. Diese Salons dienten im 19. Jahrhundert als Rückzugsorte für Männer, um Gespräche zu führen, Geschäfte abzuwickeln oder Freizeitaktivitäten nachzugehen. Im 18. Jahrhundert war gehörte er zu den privaten Räumen von Christoph Daniel von der Schulenburg und war prunkvoll ausgestattet. 

Der Raum heute

Der Raum heute ist schlicht dekoriert mit Ölgemälden der Hugenottenfamilie v. François, der Familie der Mutter von Alexander von der Schulenburg. Die Familie v. François hat ihre Wurzeln in der Normandie und lässt sich bis zu François en Bugey Nico François, Seigneur des Alimes, um 1354 zurückverfolgen. Als Hugenotten wurden sie ab 1530 aufgrund ihres protestantischen Glaubens verfolgt, was nach 1685 zu einer Fluchtwelle führte. Im Edikt von Potsdam gewährte Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg ihnen Asyl. 1689 ließ sich der Tuchfabrikant Nicolas le François in Cölln (heute Berlin) nieder und zog 1699 nach Frankfurt/Oder. Sein Nachfahre, August Karl von François, erhielt 1744 eine Adelserneuerung durch Kaiser Joseph II. Bruno Hugo Karl Friedrich von François (1818–1870), ein preußischer Generalmajor, war ein direkter Nachfahre dieser Linie. Er fiel 1870 in der Schlacht bei Spichern. Seine Söhne setzten die militärische Tradition fort:

  • Curt Karl Bruno von François (1852–1931): Ein bedeutender Kartograph und Forschungsreisender, der als Major und Landeshauptmann in Deutsch-Südwestafrika diente. 
  • Hermann Karl Bruno von François (1856–1933): Ein preußischer General der Infanterie im Ersten Weltkrieg. 
  • Hugo von François (1861–1904): Hauptmann, der während der Kämpfe gegen die Herero in Deutsch-Südwestafrika fiel. 
Ansicht des Herrensalons im Schloss Angern

Der Herrensalon im Schloss Angern heute

Im 19. Jahrhundert

Der Raum präsentiert sich als eleganter Salon des späten 19. Jahrhunderts, geprägt von einer warmen, repräsentativen Atmosphäre. Die Wände sind mit einer prachtvollen, (vermutlich) weinroten Damasttapete im großformatigen Palmettenmuster bespannt, die dem Interieur Tiefe und historische Würde verleiht. Ein klassizistischer, cremefarbener Kachelofen mit ornamentalem Fries und antikisierender Schale auf dem Gesims dominiert die Ecke des Raumes.

Die Möblierung besteht aus aufwendig gearbeiteten Sitzmöbeln im Stil der Neorenaissance mit (vermutlich) dunkelgrünen Polstern und kunstvoll geschnitzten Lehnen, die um einen massiven Holztisch gruppiert sind. Ergänzt wird das Interieur durch eine Reihe gerahmter Landschaftsgemälde und Ruinenveduten, deren zentral platzierter Obelisk eine Verbindung zur antikisierenden Raumgestaltung schafft,  angeführt von einem großformatigen Gemälde mit klassizistischer Ruinenlandschaft, zentralem Obelisken und einer Löwenskulptur – ein typisches Motiv der vedutenhaften Capriccio-Malerei des 18. Jahrhunderts. Die kleineren Werke darunter und seitlich zeigen idealisierte Landschaften mit Arkadien-Charakter, teils mit architektonischen Fragmenten, teils mit Bäumen und Hügeln, die eine tiefe Perspektive erzeugen. Die Auswahl und Hängung der Bilder verstärken den antikisierenden und kontemplativen Charakter des Raumes und zeugen vom kunstsinnigen Anspruch der ehemaligen Bewohner. Die Gemälde werden im Inventarverzeichnis von 1752 im obereren Saal hängend beschrieben und sind nach der Bodenreform verschollen.

Die im Herrensalon an der rechten Wand platzierte Wanduhr stammt vermutlich aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Mit ihrem reich verzierten Holzgehäuse, dem runden Zifferblatt und der ornamentalen Bekrönung vereint sie Funktionalität mit repräsentativer Gestaltung. Stilistisch lässt sie sich dem Übergang vom Spätbiedermeier zum Frühhistorismus zuordnen.

Der Boden ist mit einem aufwendig gearbeiteten Tafelparkett aus hellem Holz ausgelegt, dessen geometrische Kassettenstruktur den repräsentativen Charakter des Raumes unterstreicht und stilistisch mit der feingliedrigen Wandgestaltung korrespondiert.

Historische Aufnahme des Herrensalons

Der Herrensalon um 1920

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KI generierte Nachbildung

 

Der Raum im 18. Jahrhundert

Um 1743 war das "Zimmer rechter Hand des Saals, wenn man hereinkommt, wo Seine Exzellenz Christoph Daniel von der Schulenburg logieren" - zusammen mit angrenzenden Kabinett und der sogenannten "Polterkammer" das private Refugium von Christoph Daniel. Das General-Inventarium von 1752 dokumentiert die Ausstattung des Raums im Detail:

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KI-generierte Ansicht des Raums um 1743

Wandgestaltung und Tapeten

  • 20 Bahnen grün damasten Tapeten: Damast ist ein aufwendig gewebter Stoff mit glänzender Musterung, hier in Grün. Damasttapeten waren kostbar.
  • 3 Bahnen grün Brocadell in der Ecke: Brocadell ist ein feiner Brokatstoff, oft mit eingewebten Gold- oder Silberfäden. Er war noch luxuriöser als Damast und wurde gerne für Prunkräume genutzt.

Bett und Schlafausstattung

  • 1 grün damasten Bette á la Duchesse mit gelben Fransen und Schüren garnieret: Ein Bett á la Duchesse ist ein hochgezogenes Bett mit an der Wand befestigten Baldachin, typisch für das 18. Jahrhundert. Es hatte Vorhänge und war oft prächtig verziert. Die gelben Fransen und Schnüre waren luxuriöse Verzierungen.
  • Bassemens unter dessen Himmel stehet ein Feldbett: Bassemens bezeichnet möglicherweise ein Untergestell oder eine Verstärkung des Baldachins. Ein Feldbett ist eigentlich eine klappbare, transportable Schlafgelegenheit für Reisen.
  • Feldbett aus geblümtem Zitz mit gelbem Taft gefüttert: Zitz ist ein bedruckter Baumwollstoff, oft mit Blumenmustern. Taft ist ein feiner Seidenstoff, der für den Innenbezug genutzt wurde.

Bettzeug:

  • 2 Cattalonier Decken: Wahrscheinlich katalanische Wolldecken, damals für ihre Qualität bekannt.
  • 3 kleine Hauptkissen: Kissen für Kopf oder Dekoration.
  • 2 Maderatzen und ein Polster: Matratzen aus Wolle, Stroh oder Rosshaar; ein Polster zur zusätzlichen Unterstützung.
  • 1 rot und weiß gestreiftes parchen Federbett: Parchen bedeutet “gesteppt” oder “gestepptes Material”. Dies war eine dicke Daunendecke.
  • 1 Strohsack: Eine gefüllte Matratze als Unterlage.

Vorhänge und Möbel

  • 4 grün und weiß gestreifte Gardinen mit ihren Falballas: Falballas sind dekorative Stoffvolants oder Rüschen, die Vorhänge verzieren.
  • 2 nußbaumen Ecktische (stehen itzo im Cabinet): Kleine Ecktische aus Nussbaumholz, die momentan in einem Nebenraum stehen.
  • 1 nußbaumen Tisch untern Spiegel: Ein zusätzlicher Tisch aus Nussbaumholz, möglicherweise eine Konsole unter einem Wandspiegel.
  • 1 ordinärer Tisch mit grüner Wachsleinwand: Ein einfacher Tisch mit gewachster Leinwandbespannung – pflegeleicht und robust.
  • 1 ovaler Spiegel mit einem nußbaumen Rahmen: Ein Spiegel mit ovalem Holzrahmen, wertvoll, da Spiegel damals teuer waren.
  • 2 Fauteuils mit ausgenähten Überzügen: Fauteuils sind gepolsterte Lehnstühle. Ausgenähte Überzüge könnten bestickte oder wattierte Bezüge bedeuten.
  • 6 ordinäre Stühle mit damasten Überzug, mit gelben Fransen garnieret: Schlichte Stühle mit Damaststoff und dekorativen Fransen.
  • 1 Schlafstuhl mit seiner Maderatzen und 2-mal mit buntem Kattun überzogen: Ein Schlafstuhl (wohl eine Art Klappstuhl) mit Matratze und zwei Schichten Kattun (bedruckte Baumwolle).
  • 1 apartes haarenes Kissen mit rotem Kattunüberzug: Ein spezielles Kopfkissen mit Rosshaarfüllung und rotem Bezug aus Kattun.

Kunst und Wanddekoration

  • 3 Surporten oder Schilderei Stück von Blumenwerk: Surporten sind Wandbehänge oder verzierte Paneele mit Blumenmotiven.
  • 2 Stück des Königes Victor Amadeé von Sardinien und der Königin Majest. Tableau: Gemälde von Victor Amadeus II von Sardinien (* 1666; † 1732) w und seiner Gemahlin, vermutlich Anne Marie d’Orléans, Tochter von Henrietta von England und Philippe von Frankreich, Herzog von Orléans.
  • 1 Stück des jetzt regierenden Königs Carl Emanuels in Sardinien Majest. Tableau: Porträt seines Sohns, dem amtierenden König Karl Emanuel III. von Sardinien. Christoph Daniel von der Schulenburg stand als General der Infanterie im Dienst des Königreichs Sardinien und war somit eng mit König Victor Amadeus II. und dessen Nachfolger König Karl Emanuel III. von Sardinien verbunden, was die Präsenz ihrer Porträts in seinen persönlichen Räumen unterstreicht.
  • 3 Stück die 3 Königinnen Gemahlin des Königes Majest.: Drei Gemälde von Königinnen. Vermutlich die Ehefrauen von Karl Emanuel III. von Sardinien. Dieser war dreimal verheiratet: Seine erste Ehe mit Anna Christine Luise von Pfalz-Sulzbach brachte den früh verstorbenen Sohn Vittorio Amedeo hervor; aus seiner zweiten Ehe mit Polyxena von Hessen-Rotenburg-Rheinfels gingen sechs Kinder hervor, darunter der spätere König Viktor Amadeus III. In dritter Ehe war er mit Elisabeth Therese von Lothringen verheiratet, mit der er drei weitere Kinder hatte.
  • 2 Stück Ihro Königl. Hoheit des Kronprinzen und der Kronprinzessin Tableau: Porträts des Kronprinzen und der Kronprinzessin.
  • 1 Stück des Herzogs von Chablai Königl. Hoheit Tableau: Der Herzog von Chablais.

Wasch- und Schreibmöbel

  • Ein Porzellan-Waschbecken mit 1 Tischen darunter: Waschbecken aus feinem Porzellan, luxuriös für die Zeit.
  • 1 klein weißer Leuchter auf dem Schreibtisch: Ein kleiner weißer Leuchter, wahrscheinlich aus Keramik oder Metall, für Kerzen.
  • 1 italienische messingene Lampe: Eine wertvolle Messinglampe, möglicherweise eine Öllampe.
  • 1 Pulpet, Bücher aufzulegen: Ein Pult oder Buchständer für bequemes Lesen.
  • 1 Portefeuille: Eine Mappe oder Dokumentenmappe zur Aufbewahrung von Schriftstücken.
  • 1 kleiner Nachttisch: Ein kleiner Beistelltisch neben dem Bett.
  • 1 Pendule, worunter fourniertes nußbaumen Postament: Eine Pendule (Tischuhr) auf einem furnierten Nussbaum-Sockel.
Diese Bilder wurden anhand von Schwarz-Weiß-Fotos von einer KI coloriert und zeigen die Räume ca. im Jahr 1920. Die Ausstattung ist seit der Bodenreform verschollen.
Unser Rundgang beginnt mit der beeindruckenden Ansicht des Schlosses von der Nordseite. Diese Perspektive bietet einen Blick auf die repräsentative Vorfahrt und die markanten Eingangstüren des Hauptgebäudes sowie der beiden Seitenflügel. Die Nordseite vermittelt einen ersten Eindruck von der eleganten Architektur und Symmetrie des Schlosses.
Das großzügige Foyer des Schlosses verbindet Eleganz und historische Bedeutung. Im 19. Jahrhundert diente das Foyer in Schlössern als repräsentativer Eingangsbereich, der Besucher empfing und einen ersten Eindruck von der Pracht des Anwesens vermittelte. Es ist daher großzügig gestaltet und führt zum Gartensaal und dem Dienstzimmer des Hauses. Das imposante Treppenhaus verbindet die verschiedenen Stockwerke und unterstreicht die symmetrische Architektur.
Der Gartensaal präsentiert sich heute nach einer umfangreichen und denkmalgerechten Sanierung als prachtvoller Raum, der die reiche Geschichte des Schlosses bewahrt. Ursprünglich 1736 im Stil des Rokoko angelegt, wurde der Saal 1848 im Zuge eines umfassenden Umbaus des Schlosses neu gestaltet. Dennoch blieben wesentliche architektonische Elemente erhalten.
Vom Gartensaal gelangt man in den Damensalon. Im 19. Jahrhundert war der Damensalon ein zentraler Raum in Schlössern und Herrenhäusern , speziell für die Hausherrin und ihre Gäste.
Der Herrensalon grenzt direkt an den Gartensaal und bietet Zugang zum ehemaligen Dienstzimmer sowie zum angrenzenden Kabinett. Der Begriff Herrensalon bezeichnet traditionell einen Raum in Schlössern oder Herrenhäusern, der speziell für die männlichen Hausherren und ihre Gäste vorgesehen war. Diese Salons dienten im 19. Jahrhundert als Rückzugsorte für Männer, um Gespräche zu führen, Geschäfte abzuwickeln oder Freizeitaktivitäten nachzugehen. Im 18. Jahrhundert war gehörte er zu den privaten Räumen von Christoph Daniel von der Schulenburg und war prunkvoll ausgestattet.
Vom Herrensalon und von der Polterkammer gelangt man in das Kabinett, das durch seinen beeindruckenden Marmorkamin hervorsticht. Die Wände des Kabinetts sind mit Stichen und Porträts der preußischen Könige geschmückt, die Szenen aus ihrem Leben und ihrer Herrschaft darstellen.
Die sogenannte Polterkammer beeindruckt mit seinen kunstvoll verzierten Säulen, deren geschnitzte Kapitelle doppelköpfige Adler zeigen, ein Symbol des Adels. Ihre klassizistischen Kapitelle sind reich verziert und bilden einen harmonischen Kontrast zu den anderen Elementen des Raumes. Zeitgleich entstanden die prächtigen Türen, die den Sälen des Erdgeschosses ein einheitliches Erscheinungsbild verleihen. Ergänzt wird die Atmosphäre des Raumes durch Kupferstiche von Johann Elias Ridinger , die Jagdszenen darstellen und die Wände schmücken.
Von der Polterkammer, dem Empfang und dem Herrensalon gelangt man in das Dienstzimmer . In historischen Schlössern des 19. Jahrhunderts waren Dienstzimmer oft integraler Bestandteil der Raumaufteilung. Sie wurden von Schlossverwaltern, Aufsehern oder anderen Bediensteten genutzt, um administrative Aufgaben zu erledigen.
Von der Vorfahrt aus betritt man durch die Eingangstür den großzügigen Empfang des Schlosses. Besonders beeindruckend sind das barocke Treppengeländer mit stark profilierten Rechteckbalustern und die teilweise erhaltene historische Wandvertäfelung, die den Charakter des Schlosses unterstreichen.
Schlösser des 18. Jahrhunderts waren vielseitige Zentren, die das Leben des Adels umfassend strukturierten. Sie vereinten Wohnen, Repräsentation, Verwaltung und Kultur in einem prächtigen Rahmen, der die Macht und den Einfluss ihrer Besitzer widerspiegelte.
Im 19. Jahrhundert wurde dieser Raum genutzt als Speisezimmer der Familie. Heute befindet sich dort eine Mietwohnung. Der Raum im 18. Jahrhundert Das General-Inventarium von 1752 (Rep. H Angern Nr. 76) dokumentiert den gesamten Bestand des Schlosses zu Angern und bietet wertvolle Einblicke in die reiche Ausstattung des Anwesens. Demnach war "das große Zimmer linker Hand (vom) Eingang des Saales" reich ausgestattet und wurde offenbar als Gästewohnung genutzt.
Im 18. Jahrhundert Gemäß dem Inventarverzeichnis von 1752 war dieser Saal baugleich zu dem Gartensaal gestaltet, jedoch war die Decke etwas höher. Der große Saal war reich mit Gemälden dekoriert. Die Wände waren vollständig mit einer Vielzahl von Stillleben , Landschaftsgemälden und chinesischen Malereien geschmückt.
Der obere einst repräsentative Galeriesaal ist der beeindruckendste und repräsentativste Raum des Hauses. Mit einer Raumhöhe von fast 4,50 Metern übertrifft er alle anderen Säle und diente um 1745 als zentraler Versammlungs- und Prunkraum. Seine Ausstattung spiegelt den künstlerischen und kulturellen Anspruch von Christoph Daniel wider.
Das Zimmer rechter Hand des Saals war mit 28 Bahnen gelber Brocadelltapeten ausgestattet. Brocadelltapeten, meist aus Seide oder Leinen mit eingewobenen Mustern, waren im 18. Jahrhundert ein Zeichen von Wohlstand und Eleganz.
Im 19. Jahrhundert: Die große Bibliothek ist um 1845 entstanden, also in die späte Biedermeierzeit mit ersten Übergängen zum Historismus. Charakteristisch ist die schlichte Eleganz der Möbel, die auf übermäßigen Zierrat verzichten und stattdessen durch ihre klaren Linien und feine handwerkliche Ausführung wirken.